Geschichte und Kontinuitäten des deutschen Kolonialismus

von Kien Nghi Ha, aus Lotta

Kolonialismus ist in Deutschland, sobald er als kritische Analysekategorie gebraucht wird, ein unnahbarer, geradezu unheimlicher Begriff. Wie die Rassismuskritik löst die Erinnerung an koloniale Unterdrückungen bei Weißen Deutschen das Bedürfnis nach augenblicklicher Distanzierung aus. Meist schlagen sich solche Entlastungsstrategien in der Sehnsucht nach einem endgültigen Schlussstrich nieder. Weiterlesen

Geht mal auf´n Kaffee bei Ali und Fatma statt die ganze Zeit vor irgendwelchen Internetrassistenblogs zu hocken

Quelle: LCM

Offener Brief an die PEGIDA, Marzahner, Bucher und alle anderen „besorgten Bürger“

Ich komme aus einer Arbeiterfamilie. Der überwiegende Teil meiner Freunde kommt aus ärmeren Familien. Ich bin in Gegenden aufgewachsen, die auch nicht schöner sind als Berlin-Hellersdorf, Marzahn, Buch oder Dresden-Prohlis. Ich weiß, wie scheiße es sich anfühlt, wenn man sich das ganze Blingbling nicht leisten, kann, das man jeden Tag im Fernseher sieht. Ich weiß, wie derbe es nervt, wenn man auf Hartz-IV ist und die ganze Zeit Münzen zählen muss. Oder wie beschissen es ist, wenn man zwar arbeitet, aber irgendeine dumme notwendige Anschaffung, eine kaputte Waschmaschine, ein Fahrrad fürs Kind oder sonstewas die gesamten Ersparnisse auffrisst, die man sich mühsam zur Seite gelegt hat. Und dann beschließen irgendwelche Penner, von denen man das ganze Jahr ohnehin nichts zu erwarten hat, einem auch noch einen Asyl-Container in den Bezirk zu stellen. Weiterlesen

Journalismus im Dienste der Angst

Quelle: www.stefan-niggemeier.de

Ach, wie mutig sie ursprünglich sein wollten in Köln; ein Zeichen wollten sie setzen. Beim Rosenmontagszug in zwei Wochen sollte es einen Wagen geben, der sich mit dem Terroranschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ auseinandersetzt. Eine Skizze des Wagens kursierte schon länger. Sie zeigt einen Clown, der seinen Bleistift in die Mündung einer Schusswaffe rammt; der Terrorist dahinter schaut doof aus seiner Sturmhaube, während ihm Idefix auf den Schuh pinkelt. Und hinter dem Clown steht: „Pressefreiheit! Meinungsfreiheit!“ Weiterlesen

“Good, old-fashioned antisemitism”

von: http://tapferimnirgendwo.com/2015/01/24/ich-zittere/

Am 22. Januar 2015 ist im New Yorker Stadtrat über eine Resolution gesprochen worden, die in Gedenken an den 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau verabschiedet werden sollte. Aktivisten, die auf dem Balkon der Kammer saßen, unterbrachen jedoch die Sitzung mit lautem Gebrüll und entrollten eine Flagge Palästinas. David Greenfield (Democrat) hielt daraufhin eine bemerkenswerte Rede. Weiterlesen

Tilo Sarrazins und die Seinen

Quelle: TOP Berlin (Theorie, Organisation, Praxis), März 2014 1

protest drinnen sarrazin

Tilo Sarrazin im Berliner Ensemble

Die Kulturelite stellt sich vor ihren Lieblingsrassisten. Nachtrag zur erfolgreichen Störung der Sarrazin-Lesung im Berliner Ensemble.

Am 2. März 2014 wollte Thilo Sarrazin als Gast des Cicero-Magazins sein neues Buch im Berliner Ensemble vorstellen. „Der neue Tugendterror“ heißt es, und beklagt „Die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland“.

Die Wahl des Veranstaltungsorts im Brecht-Theater am Schiffbauerdamm war eine gezielte Provokation: Ein Symbolort linker Kultur sollte geschliffen werden. In einem offenen Brief Kulturschaffender heißt es dazu:

Wir wollen – wie einst Brecht – die Emanzipation der Menschheit und das gute Leben aller. Sarrazins Hetze steht dem entgegen. Es wäre leichtfertig, ihn als randständigen Spinner abzutun, denn seine Ideologie entspricht dem Zeitgeist und wird von Millionen Deutschen geteilt. Sarrazins Nationalismus antwortet auf die Abstiegsängste der bedrohten weiß-deutschen Mittelschichten. Er verspricht den sozial Ausgegrenzten nationale Privilegien, und dient zugleich den Privilegierten mit schroffem Leistungskult. Seine Auslese der Menschen in Nützliche und Unnütze ist längst Leitbild deutscher Jobcenter und Ausländerbehörden. Auch dagegen wenden wir uns entschieden. Weiterlesen